Hallescher Feierabend
Ausgabe 29. August 2007
NDR Höredition


Weltliteratur zum Lauschen
hörtipp


Warum selbst lesen, die Augen anstrengen, ermüden? Man kann sich auch vorlesen lassen. Die „HörEdition der Weltliteratur“ von NDR Kultur, mOcean OTonVerlag und Membran Music, die nächste Woche, genauer gesagt am 15. August, in den Buchhandel kommt, bietet Gelegenheit dazu. In der Ausgabe mit großen Literaten von „A“ wie Améry bis „Z“ wie Zola ist alles vertreten, was unter Literaturkritikern als die so genannte Weltliteratur empfohlen wird.
Dostojewski, Goethe, Hugo, Kafka, Poe, Tolstoi und auch Halles „Da steht eine Burg überm Tale “-Dichter Eichendorff seien hier nur stellvertretend genannt für über 40 Autoren, deren gelesene Werkeauswahl mehr als 240 CDs füllt und in 50 CD-Sets zusammengefasst ist. Zu hören sind Werke wie „Diabolische Geschichten“ (D’Aurevilly), „Der Vater eines Mörders“ (Andersch), „Sher-lock Holmes“ (Doyle), „Lehrjahre des Gefühls“ (Flaubert), „Die Sirene“ (Lampedusa) oder „Anton Reiser“ (Moritz).
Das Beste aus den NDR Kultur-Sendereihen „Am Morgen vorgelesen“ und „Am Abend vorgelesen“ hat der NDR-Kulturredakteur, Schriftsteller, Essayist und Publizist Hanjo Kesting zusammengetragen. In der vorliegenden Sammlung sind nicht nur schöne und hinreißende Werke der Literatur versammelt, sondern auch wahre Schätze der Interpretation. Denn die NDR-Lesungen wurden mit großen Stimmen besetzt - von Gert Westphal und Rolf Boysen bis hin zu Helene Grass und Joana Maria Gorvin. Westphal (1920-2002) war ein gebürtiger Dresdner, der beim öffentlich-rechtlichen Hörfunk groß wurde. Eine Redakteurin der „Zeit“ würdigte ihn schließlich als den „König der Vorleser“. Boysen betrat 1948 die Theaterbühne und machte sich vor allem dort einen Namen. Helena Grass (Jahrgang 1974) ist freiberufliche Schauspielerin, Joana Maria Gorvin (1922-1993) aus Hermannstadt in Rumänien war ebenfalls Schauspielerin.
Alle Bücher werden kurz eingeleitet von dem renommierten Sprecher Achim Gertz. Gertz, Jahrgang 1931, war von 1980 bis 1995 Chefsprecher beim NDR. Auch im Ruhestand ist er ein passionierter Sprecher geblieben. Außerdem gibt es zu jedem Hörbuch ein Booklet, in dem eine Einleitung von Hanjo Kesting zu lesen ist.


„HörEdition der Weltliteratur“,
herausgegeben und verlegt von
Hanjo Kesting und NDR Kultur.
Über 40 Autoren, über 240 CDs in 50 HörEdition-CD-Sets.
Ab 15. August im Buchhandel.


Martin Schramme

 

NDR Kultur
http://www.ndrkultur.de/feuilleton/hoerbuecher/hoerbuchweltliteratur2.html
NDR Hörbuchedition
Höredition der Weltliteratur
Vorgestellt von Chantal Nastasi


Ralf Boysen, Helene Grass und Gerd Westphal sind nur einige der berühmten Stimmen, die NDR Kultur für
Literaturproduktionen ihre Stimme geliehen haben. 30 Jahre lang hat Hanjo Kesting die Sendereihe geleitet. "Es
gab einige große Schauspieler, die wie Lokomotiven für diese Sendereihe gewesen sind", sagt Kesting. "Es ist
natürlich die schönste Arbeit für einen Redakteur, der normalerweise am Schreibtisch sitzt, im Studio zu sitzen
und mit den Schauspielern solche Produktionen zu erarbeiten - eine Erfahrung die ich nicht missen möchte."
Hans Paetsch ließt aus Charles Dickens "Grosse Erwartungen": "Es war etwa einen Monat, nachdem meine
Schwester zum ersten Mal wieder in der Küche erschienen war, als Biddi mit einer kleinen gesprenkelten
Schachtel, die ja all ihre Habseligkeiten enthielt, zu uns kam und dem Haushalt zum Segen wurde."
Ein weiterer Höhepunkt ist "Eine alltägliche Geschichte", gelesen von Gert Westphal: "An einem Sommertag im
Dorfe Graczi hatte sich im Hause der Anna Pavlovna Aduieva einer Gutsbesitzern, nicht arm noch reich, alles mit
dem Morgengrauen erhoben, angefangen bei der Hausherrin selber bis hinab zum Kettenhund Barbos. Nur der
einzige Sohn der Anna Pavlovnas Alexander Fjodoritsch schlief noch den Schlaf eines Recken wie es sich für
einen 20-jährigen Jüngling gehört."
Zeitreise
Größere und kleinere Geschichten der Weltliteratur sind auf rund 240 CDs zusammengekommen - von der Antike
bis zur Gegenwart, von Apulejus über Rabelais, Goethe und Tolstoi bis hin zu Kafka und Barnes.
"Sie beherrschte das intellektuelle Nachtleben für ein ganzes Jahrhundert", schrieb einst Ernest Hemingway.
"Etwas von dieser Ausstrahlung vermitteln bereits die Texte der ganz jungen, 20-jährigen Jona Barnes, die 1913
begann regelmäßig Kolumnen für New Yorker Zeitungen zu schreiben."
Auf den CDs befinden sich einzelne biografische Eckdaten des Autors, sowie einleitende Worte zur jeweiligen
Geschichte - eine Dokumentation der jahrzehntelangen Arbeit von Hanjo Kesting. "Wenn man an die ganz alten
Texte denkt, die ganz großen Epiker der Antike", sagt er, "dann waren es mündlich tradierte Texte die dann
aufgeschrieben wurden. Alle großen, epischen Erzählungen - die ganze Weltliteratur - hat diesen mündlichen
Ursprung."

 

 

 

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